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Das Thomasevangelium

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Vorbemerkung:

Das Thomasevangelium dürfte einer der wenigen Texte sein in denen man authentische Aussagen von Jesus findet. Als ich es das erste Mal zu Gesicht bekam überfiel mich ein regelrechter Feuereifer und ich las es in einem Zug durch. Viele der Aussagen sind aber nur verständlich wenn man in der Gedankenwelt der Gnosis zu Hause ist und die geistigen Veränderungen die in den „Sprüchen“ beschrieben werden bereits selbst erlebt hat. Ich unterstelle bei meinen Interpretationen zunächst einmal, dass es sich tatsächlich um Worte von Jesus handelt zu denen wir nur noch nicht den Zugang gefunden haben weil er seine Botschaften verschlüsselt hat oder sie aus einer „Bewusstseinsstufe“ stammen die wir in der Vergangenheit noch nicht erreicht hatten. Ich bin aber davon überzeugt, dass wir die Sprüche dieser Sammlung jetzt verstehen können und dass sie genau dazu solange für uns aufbewahrt worden sind.

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114) Simon Petrus forderte: Maria soll uns verlassen; denn Frauen verdienen das Leben nicht. Jesus aber sprach: Seht, ich werde sie führen und männlich machen, so dass sie ein lebendiger Geist wird, wie auch ihr Männer! Denn jede Frau, wenn sie sich männlich macht, geht ins Himmelreich ein.

Dieser Spruch gibt uns Einblick in die archaische Denkwelt von Petrus die vermutlich typisch für den Jüngerkreis war. Offensichtlich ist es Männern damals – und nicht nur damals – nicht möglich gewesen Frauen als Ebenbild Gottes zu sehen und Petrus versteigt sich zu hochnotpeinlichen Aussagen. Jesus reagiert aber recht gelassen, denn er weiß, dass auf dem Weg zu sich selbst Anima- und Animusseele integriert werden und Männer dadurch sanft wie Tauben – eben weiblich – und Frauen dadurch stark wie Löwen – eben männlich – werden. Erst dann kann man den Weg ins Reich Gottes fortsetzen und ins Himmelreich eingehen.

113) Die Jünger fragten Jesus: Wann wird denn das Reich kommen? Er aber sprach: Es kommt nicht, indem ihr darauf wartet. Man kann nicht sagen: Hier oder da ist es. Denn das Reich des Vaters ist schon ausgebreitet über die Erde, nur können es die Menschen nicht sehen.

Wir leben im Geiste Gottes! Die Schöpfung ist der Traum unserer Eltern und dieses Reich ist natürlich schon immer da. Wir sind uns dessen aber zunächst nicht bewusst, leben in einem eingeschränkten Bewusstseinszustand der uns nur die Sicht auf die vermeintlich materielle Realität erlaubt. Um zur Einheit mit Gott zu gelangen ist ein langer Weg zu beschreiten in dem wir uns einerseits immer weiter von den Wunden und Unreinheiten der Vergangenheit befreien, andererseits in immer höhere Erkenntnisstände gelangen. Eines Tages werden alle Menschen in Vollkommenheit auf der Erde wandeln und das ewige Reich Gottes erreicht haben. Bis dahin ist es unsere Aufgabe daran mitzubauen, uns selbst immer weiter zu vervollkommnen und unsere Mitmenschen auf diesem Weg zu begleiten. Das Reich Gottes entsteht indem wir Jesus nachfolgen!

112) Jesus redete: Wehe dem Fleisch, das von der Seele abhängt! Wehe der Seele, die vom Fleisch abhängt!

Unsere Persönlichkeit, unser Wesen verdanken wir dem himmlischen Vater, unseren Leib verdanken  wir unserer Erdenmutter. In vollendeter Harmonie agieren Körper und Seele miteinander wenn man das Reich Gottes in sich gefunden, wenn man zu sich selbst gefunden hat, denn dann haben Körper und Geist auch zu einer Einheit gefunden. Solange dies nicht der Fall ist neigen Menschen dazu der einen oder der anderen Seite mehr Bedeutung zuzuweisen und entweder den körperlichen oder aber den rein geistigen Belangen Vorrang einzuräumen. Dies führt aber entweder zu einer eher triebhaften oder zu einer vergeistigten Lebensführung und ist nicht das was unsere Schöpfereltern für uns vorgesehen haben.

111) Jesus sprach: Auch wenn Himmel und Erde untergehen – wer aus dem Lebendigen lebt, der empfindet weder Tod noch Furcht. Denn wer sich selbst findet, der ist über die Welt hinaus.

So ist es!

110) Jesus sagte: Wer die Welt gefunden hat, und dadurch reich geworden ist, der verzichte dann auf die Welt.

Jeder seiner Sprüche bleibt solange widersprüchlich, solange man ihn nur äußerlich anwendet. Hier verwirrt Jesus auch noch dadurch, dass er einmal die innere Welt, das Reich Gottes, und dann die äußere Welt mit dem gleichen Wort benennt. Natürlich sollen wir alle das Reich Gottes in uns finden und natürlich wollen wir dann auf unserer wunderschönen Erde so intensiv wie nur möglich leben, aber niemand wird im Reich Gottes wirklich ankommen können, wenn ihn die Gier nach der Welt treibt, wenn er an Einfluss, Macht, Dominanz oder sonst einer unnützen Haltung festhält. Verzichtet auf all das und lebt einfach in Liebe und Frieden, denn ihr seit unermesslich reich im Reich Gottes!

109) Jesus: Mit dem Reich ist es wie bei einem Mann, in dessen Acker ein verborgener Schatz lag. Davon wusste er nichts. Als er starb, erbte alles sein Sohn. Auch er wusste nichts, nahm den Acker und verkaufte ihn. Als der Käufer aber den Acker pflügte, da kam der Schatz zum Vorschein. Und er lieh Geld aus gegen Zinsen, wem er wollte.

Das Reich Gottes ist in uns selbst und auch wenn Generationen vergehen ohne dass es jemand findet so kann Er doch jederzeit wieder entdeckt werden, zu jedem Zeitpunkt und von jedem Menschen! Auch wenn Jesus hier einen Vergleich verwendet den er in Bezug auf die materielle Welt als geradezu „teuflisch“ bezeichnet, denn Zinsen sind Ausdruck purer Gier nach Geld, so ist diese Metapher geistig verstanden natürlich bestens geeignet um zu beschreiben, dass man das Reich Gottes sogar weitergeben kann und man dafür wirklich „Zinsen“ erhält. Wem immer man nämlich den Weg ins Reich Gottes gezeigt und der sich daraufhin „rein“ gemacht hat wird dies durch Liebe und Freundschaft vergelten und so wird man tatsächlich dann immer reicher und reicher! Wohl dem der den Weg kennt!

108) Jesus: Wer von meinem Mund trinkt, der wird wie ich, und ich selbst werde er, und das Verborgene wird ihm offenbar.

„Wer meine Worte wirklich verinnerlicht hat, wer den langen Weg der inneren Reinigung gegangen ist, der wird in seiner Wesensart so rein wie ich und jeder der ihm begegnet wird zugleich mich in ihm erkennen! Sein Verstand wird sich öffnen und die verborgenen Geheimnisse Gottes werden ihm offenbart werden.“, so könnte man den Satz etwas verständlicher formulieren. Dieses Versprechen gab er uns allen und es wundert schon, warum ihm nur selten jemand wirklich folgte. Die Zeit aber ist da in der sich ein jeder von uns auf  den Weg begeben wird um am Ende Jesus gleich zu werden.

107) Jesus: Mit dem Reich ist es wie bei einem Hirten, der hundert Schafe hütete. Das größte verirrte sich. Da ließ er die neunundneunzig allein, und suchte das eine, bis er es fand. Und nach all seinen Mühen sagte er zu dem Schaf: Dich liebe ich mehr als die neunundneunzig.

Bei allem Respekt und Dank an Thomas dem wir diese Spruchsammlung verdanken scheint es mir aber, dass er bei diesem Spruch etwas hinzugefügt hat das so wohl kaum von Jesus gesprochen oder gemeint gewesen sein kann. Jesus Wesenart ist es jedem (!!) verlorenen Schaf nachzugehen und eben nicht nur dem größten oder vermeintlich wertvollsten. Er zeigt uns damit Gottes Art und in Gottes Schöpfung gibt es keine „verlorene Seele“, denn gerade bei den „verirrten Schafen“ setzt Gott alles daran sie wieder zu finden. Wer sich einmal die Mühe gemacht hat ein „verirrtes Schaf“ wieder ins Leben zurück zu führen, der kennt zudem auch die ganz besondere Liebe die dabei zwischen dem „Hirten und dem Schaf“ entsteht, eine Liebe die aus der heilenden Berührung der Seelen untereinander erwächst und die viel größer ist als man sie aus dem Alltag zu anderen Menschen her kennt. Jesus kennt diese Liebe und wünscht sich, dass seine Jünger sie auch spüren könnten, denn von dem Moment an würden sie ebenfalls nach „verirrten Schafen“ suchen!

106) Jesus sprach: Wenn ihr aus zweien eins macht, dann werdet ihr Söhne des Menschen. Und wenn ihr dann dem Berg befehlt, sich wegzuheben, so wird er verschwinden.

In zwei kurzen Sätzen offenbart Jesus fast alles was es über den Weg zur Erleuchtung zu sagen gibt. Werdet EINS, überwindet eure innere Spaltung und werdet Gott ähnlich, werdet zu seinen „Söhnen“ denn Gott ist dem Wesen nach ein Mensch! Der Lohn für diese Anstrengung, der Lohn der Nachfolge ist dann die Teilhabe an Seinem Reich, denn von dem Moment an da man die Einheit mit sich und Gott geschafft hat lösen sich selbst „Berge“ in Luft auf wenn man es ihnen befiehlt!